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Tierschutzforschungspreis 2026 für Prof. Dr. Beate Escher

Auszeichnung für zellbasierte Biotestverfahren ohne Versuchstiere – dotiert mit 100.000 Euro

Von Herold Politik09.09.26, 19:51

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat Prof. Dr. Beate Escher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung mit dem Tierschutzforschungspreis 2026 ausgezeichnet. Die Auszeichnung ist mit 100.000 Euro dotiert und würdigt ihre Arbeit an zellbasierten Biotestverfahren, die ohne den Einsatz von Versuchstieren auskommen.

Nach Angaben des Ministeriums gelten zellbasierte Biotestverfahren als wichtige Alternative in der chemischen Gefahren- und Risikobewertung. Dabei werden lebende Zellen als Testsystem verwendet, um zu untersuchen, welche biologische Wirkung eine Substanz auf Zellen hat. So können Tierversuche in diesem Bereich teilweise ersetzt werden.

Auszeichnung für Forschung zu tierfreien Testverfahren

Die Parlamentarische Staatssekretärin Silvia Breher hob bei der Preisübergabe hervor, dass der Tierschutz auch im Bereich der Wissenschaft zunehmend an Bedeutung gewinne. Mit dem Tierschutzforschungspreis fördere das BMLEH gezielt Forschung, die neue Wege eröffne und dazu beitrage, den Einsatz von Versuchstieren zu reduzieren. Die Arbeit von Beate Escher zeige, welche Fortschritte Forschung aus Deutschland für den Tierschutz ermöglichen könne.

Prof. Dr. Beate Escher erklärte, zellbasierte Testverfahren eröffneten die Möglichkeit, die Wirkung von Chemikalien gezielt zu untersuchen und damit klassische Tierversuche teilweise bereits zu ersetzen. Entscheidend sei jedoch, dass vielversprechende Ansätze auch breit angewendet werden könnten. Der Preis sei deshalb auch eine Motivation, diesen Weg gemeinsam mit ihren Forschungspartnerinnen und Forschungspartnern weiterzugehen.

Zellbasierte Verfahren für die Risikobewertung

Die ausgezeichnete Forscherin wird für ihre Pionierarbeiten bei der Entwicklung und Anwendung zellbasierter in vitro-Biotestverfahren gewürdigt. Solche Verfahren können nach Angaben des BMLEH etwa bei der Entwicklung von Arzneimitteln eingesetzt werden, um frühzeitig zu untersuchen, ob ein Wirkstoff wirksam oder schädlich für eine Zelle ist.

Im Unterschied zu rein chemischen Tests wird dabei nicht nur erfasst, ob oder wie viel von einer Substanz vorhanden ist. Stattdessen kann geprüft werden, ob sie etwa das Zellwachstum, den Stoffwechsel, bestimmte Rezeptoren oder das Überleben der Zellen beeinflusst. Die entwickelten Tests ermöglichen es, große Mengen an Chemikalien sowie komplexe Umwelt- und biologische Proben in standardisierten Verfahren zu untersuchen. Sie werden insbesondere beim Monitoring und bei der Bewertung von Mikroverunreinigungen eingesetzt.

Wissenschaftlicher Werdegang

Prof. Dr. Beate Escher leitet das Department Zelltoxikologie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung mit Sitz in Leipzig und ist Professorin für Umwelttoxikologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Sie studierte Chemie an der Universität Konstanz, promovierte 1995 in Organischer Umweltchemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und habilitierte sich dort 2002 in Umweltchemie und Ökotoxikologie.

Darüber hinaus ist sie an mehreren internationalen wissenschaftlichen Einrichtungen tätig, darunter das Australian Rivers Institute der Griffith University und die University of Queensland in Brisbane. Zudem ist sie Lehrbeauftragte an der ETH Zürich. Nach Angaben des Ministeriums ist ihre Forschung durch ein umfangreiches internationales Netzwerk von Kooperationspartnern geprägt.

Förderung von Alternativmethoden

Mit dem Tierschutzforschungspreis unterstützt das BMLEH die Erforschung und Entwicklung von Alternativ- und Ersatzmethoden zum Tierversuch. Ziel ist es, wissenschaftliche Ansätze voranzubringen, die dazu beitragen, Tierversuche zu ersetzen, die Zahl eingesetzter Versuchstiere zu reduzieren und die Belastung von Versuchstieren zu vermindern.

Der international ausgeschriebene Preis ist Teil der Bemühungen, das sogenannte 3R-Prinzip voranzubringen. Es steht für Replacement, Reduction und Refinement, also den Ersatz von Tierversuchen, die Reduzierung der Zahl eingesetzter Versuchstiere und die Verminderung ihrer Belastung. Weitere unterstützende Maßnahmen der Bundesregierung sind nach Angaben des BMLEH das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) am Bundesinstitut für Risikobewertung, die Forschungsförderung durch das BfR, der Förderschwerpunkt „Ersatzmethoden zum Tierversuch“ des Bundesforschungsministeriums sowie die finanzielle Unterstützung einer Stiftung zur Förderung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen.

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